LKW-Hinterlandverkehr

Verspätungen in Häfen auf Rekordniveau

Eine Vielzahl von Faktoren übt derzeit einen negativen Einfluss auf die Schiffsabfertigung in den Seehäfen aus. Das schlägt im Anschluss auch auf den Weitertransport der Waren im Straßengüterverkehr durch. Welche Auswirkungen dies hat und wie diesen begegnet werden kann, erfahren Sie hier.

Laut des Global-Liner-Performance-Reports des Beratungsunternehmens Sea-Intelligence erreichten im März 2021 nur 40,4 Prozent aller Schiffe pünktlich ihren Zielhafen. Die Verspätung pro Schiff betrug dabei durchschnittlich 6,2 Tage – der höchste Wert seit zehn Jahren. Das verschlechtert die Abfertigungssituation in Häfen und behindert in Folge die Organisation und Durchführung der Hinterlandverkehre.

Die teils extremen Verspätungen von mehr als zwei Wochen stellen den wichtigsten Grund für die Abfertigungsengpässe dar. Schon die Auswirkungen der Coronakrise, der Nachholeffekte nach dem Wiederhochfahren der Weltwirtschaft sowie der daraus resultierende Mangel an (Leer-)Containern haben die Seeschifffahrt unter Druck gesetzt. Schlechtwetterphasen und die Brexit-Effekte haben die Situation in Europa keineswegs verbessert. Die Folgeerscheinungen der Blockade des Suezkanals durch den Containerriesen „Ever Given“ belasteten die komplizierte Lage in den Häfen zusätzlich. Und dies ist zwangsläufig in den Abläufen der Hinterlandverkehre, sei es per Barge, Bahn oder LKW, zu spüren.

Wartezeiten trotz Slotbuchungsverfahren

Für LKW ergeben sich so durch die Engpässe beträchtliche Wartezeiten an der Schnittstelle zwischen Meer und Straße. Aktuell müssen Verlader in einigen Häfen mit zweieinhalb Stunden rechnen, um Container auf den Hafenterminals abzuliefern oder neue Ladung aufzunehmen. In Spitzenzeiten oder beispielsweise nach Wochenenden kann dieses „Zeitfenster des Stillstands“ sogar auf fünf bis sechs Stunden anwachsen. Die Häfen versuchen dennoch, die Schiffsabfertigungen so verlässlich und effizient wie möglich durchzuführen. Um zusätzliche Verspätungen zu vermeiden, setzen sie verstärkt auf ein Slotbuchungsverfahren, das die Zulaufverkehre für Abfertigungskapazitäten besser steuert.
Da die Nachfrage nach verfügbaren Slots dabei oft die Kapazitäten übersteigt, gerade zu den Hauptverkehrszeiten und -tagen, ist diese Reservierung aber oft schon zwei Tage vorher nicht mehr möglich. Für die Häfen und andere wartende LKW ist es dann umso ärgerlicher, wenn eingebuchte Trucks nicht auftauchen.

Die Folgen für alle Beteiligten in den Hinterlandverkehren sind einschneidend, denn die Wartezeiten unterbrechen sonst planmäßig laufende Lieferketten. Dies erschwert also Tourenplanung und -umsetzung. Die entstehenden Mehrkosten durch Umbuchungen von Sendungen und immer neue Gebühren beziehungsweise Aufschläge für sogenannte Shipping-Garantien spielen in der Kalkulation ebenfalls eine beachtliche Rolle. Eine fehlende Performanz in diesem Fall zieht Unzufriedenheit der Auftraggeber und schlimmstenfalls sogar den Kundenverlust nach sich.

Gute Organisation lindert punktuell Krisenphänomene

Wie kann mit diesen Engpässen bestmöglich umgegangen werden? Zunächst bleibt es von großer Bedeutung, gut über die Lage in den jeweiligen Häfen informiert zu sein. Durch eine vorausschauende Planung können Stoßzeiten an den Terminals umgangen oder Slots schon länger im Voraus gebucht werden. Es empfiehlt sich die digitalen Angebote der Häfen oder Plattformen, die Störungen, Engpässe sowie Wartezeiten kommunizieren, stets aufmerksam im Blick zu behalten. Wissen ist also auch in diesem Fall Macht, um wieder mehr Handlungsfähigkeit zu erlangen.

Ebenso wichtig ist es für Spediteure und Transportunternehmen, die Verlader und nicht zuletzt die Empfänger der Waren in den Informationsfluss einzubinden. Das sichert einerseits Vertrauen und erlaubt möglicherweise andererseits, dass sich alle Teilnehmer des Gesamtprozesses durch eigenes Know-How oder Zusatzinformationen mit hilfreichen Änderungsvorschlägen einbringen, die den Ablauf entzerren und mögliche Optimierungspotenziale aufzeigen können.

Die wichtigsten Tipps kurz zusammengefasst:

  • Nutzung digitaler Angebote für Informationen zu Verspätungen
  • Vermeidung von Stoßzeiten
  • Buchung von Slots – und dies so früh wie möglich
  • Absage von Slots bei Nichteinhaltung, um Platz für andere Nachfragende zu schaffen
  • Analyse und Bewertung von Herausforderungen
  • Effizienter Kommunikationsfluss zwischen allen Beteiligten
  • Zusammenführung des jeweiligen Wissens, um gemeinsam flexibel zu handeln

Kundenzufriedenheit als höchstes Gebot

Es klingt oft einfacher als gesagt: Aber viele Eventualitäten gedanklich einzuplanen und aus Erfahrungen zu lernen, vergrößert in diesem Kontext die Handlungsoptionen. Fundamentale Entwicklungen in wichtigen Umschlagszentren wie den Seehäfen, wie sie zuletzt zu verzeichnen waren, können für den täglichen Ablauf nicht negiert werden.

Aber ein tragfähiger Management-by-Exception-Ansatz und eine transparente Kommunikation nicht zuletzt mit dem Auftraggeber, tragen dazu bei, die Erwartungshaltung der Kunden positiv zu beeinflussen. Verspätungen, vor allem jene, die das Transportunternehmen nicht zu verantworten hat, werden weniger moniert, wenn sie adäquat mitgeteilt und begründet werden.

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