Fahrermangel | Transport | Berufskraftfahrer

Was tun bei Fahrermangel?

So können Sie den Fahrermangel in Ihrem Transportunternehmen kompensieren

Von Nadine Schinko

Der extreme Fahrermangel ist schon lange Thema in der Transport- und Logistikbranche. Erste Maßnahmen und Konzepte wurden schon von der Bundesregierung eingeleitet, um die Arbeit als Berufskraftfahrer attraktiver zu gestalten. Es wird jedoch noch sehr viel Zeit vergehen, bis diese Maßnahmen eine positive Wirkung für die Branche zeigen werden. Deshalb müssen Unternehmen nun selbst handeln, um ihre Transporte effizienter zu planen, verfügbare Berufskraftfahrer bestmöglich einzusetzen und als attraktiver Arbeitgeber herauszustechen.

Laut einer Continental Studie aus dem Jahre 2020 sind etwa bis zu 90% der Unternehmen darauf eingestellt, dass der Wettbewerb um fehlende qualifizierte Berufskraftfahrer zukünftig sehr hoch sein wird.

Woher kommt der Fahrermangel?

Um die richtigen Lösungsansätze zu finden, muss man zuerst verstehen, welchen Ursprung der Fahrermangel hat.

Ganz klar ist, dass die Arbeit als Berufskraftfahrer für junge Menschen unattraktiv erscheint: Besonders Fernfahrer sind sehr lange von ihren Familien getrennt und ohne soziale Kontakte. Hinzu kommen schlechte Arbeitsbedingungen wie beispielsweise unzulängliche Schlafplätze, ein negatives Ansehen in der Gesellschaft, sowie wenig Aussicht auf Weiterbildung.

Die fehlende Ausbildung ist ein weiterer Grund für den Fahrermangel: Bis 2011 wurden junge Menschen bei der Wehrpflicht als Berufskraftfahrer qualifiziert. Sie konnten dort Ihren LKW-Führerschein machen und wurden dazu noch weiter ausgebildet.

Gleichzeitig werden aufgrund einer neuen Fahrzeugkategorie mehr Fahrer benötigt:
Fahrzeuge, die ein zulässiges Gesamtgewicht von bis zu 3,5 Tonnen und eine kleine Schlafkabine haben, unterliegen nach aktuellem Recht nicht der Mautpflicht und den Vorschriften zu Lenk- und   Ruhezeiten. Auch weiteren Regeln wie beispielsweise das Wochenendfahrverbot und generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten nicht für diese Fahrzeuge. Diese Fahrzeuge sind enorm dynamisch und immer einsetzbar, was es zu einer sehr beliebten Fahrzeugkategorie in der Branche macht. Das führt zu einem extremen Marktwachstum und letztendlich zu einem erhöhten Bedarf an Fahrern.

Die Transportbranche verdient mehr Wertschätzung

Der Transport von Waren wird heute als selbstverständlich angesehen. Privatpersonen erwarten eine schnelle und zudem kostenlose Lieferung nach Hause aber auch eine ständige Verfügbarkeit von günstigen Waren im Einzelhandel. Als zu Beginn der Corona-Pandemie vielfach Regale leer gekauft und nicht so schnell wieder aufgefüllt werden konnten, brach das Chaos aus. Erst als die Ware nicht mehr verfügbar war, wurden die Menschen aufmerksam: Die Warenlieferung zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort ist nicht selbstverständlich, sondern die Aufgabe einer gesamten Branche.
Kleine und mittlere Transportunternehmen stünden womöglich nicht vor diesem starken Kostendruck und könnten somit Berufskraftfahrer besser entlohnen, wenn funktionierende Transportketten mehr Wertschätzung erfahren würden.

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Wie kann man als Unternehmen nun handeln, um der Tätigkeit des Berufskraftfahrers mehr Wertschätzung zu zeigen? Oft wird den Transportunternehmen nahe gelegt folgende Punkte einzuhalten, um dem Fahrermangel entgegenzuwirken und den Beruf interessanter darzustellen:

  • Faire Entlohnung: Berufskraftfahrer bekommen einen sehr niedrigen Lohn für die wichtige Arbeit, die sie erledigen. Besonders junge Nachwuchsfahrer müssen darauf achten, dass sie ihre Familie ausreichend ernähren können.
  • Einhaltung der Lenkzeiten: Es gestaltet sich oft schwer Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer einzuhalten, denn der Transportalltag ist sehr dynamisch. Die gesetzlich festgelegten Lenk- und Ruhezeiten dienen dazu, dass der Fahrer nicht überarbeitet ist und somit zum Schutz für ihn und andere Verkehrsteilnehmer. Die Einhaltung der Arbeitszeiten – beispielsweise durch ein durchdachtes Auftragsmanagement – führt zu verbesserten Arbeitsverhältnissen.
  • Investitionen in modernes technisches Equipment: Vor allem die junge Generation ist in ihrem Alltag einen hohen Grad an Digitalisierung gewohnt. Da ist es nicht verwunderlich, dass sie sich auch an ihrem Arbeitsplatz eine neue technische Ausstattung und digitale Unterstützung wünschen. 

 

Wir verstehen, dass das jedoch nicht immer und besonders auch nicht bei jedem Unternehmen funktionieren kann: Viele Kleinstunternehmen haben eher geringe Eigenkapitalreserven. Für viele KMUs (kleine und mittlere Unternehmen) lassen sich die Punkte faire Entlohnung und Investition in moderne Technik und Digitalisierung nur schwer umsetzen.
Jedoch können digitale Lösungen eingesetzt werden, um den Fahrermangel zu kompensieren – so können die vorhandenen Ressourcen eines Unternehmens so effizient wie möglich genutzt werden.

Nutzen Sie die personellen Ressourcen, die Sie haben!

 

Wege, um den Fahrermangel zu kompensieren:
  • Mit Hilfe einer Software haben Sie eine volle und aktuelle Übersicht der Lenk- und Ruhezeiten. Mit einer digitalen Lösung lässt sich der Einsatz von Fahrern und Fahrzeugen am besten und am effizientesten steuern: Welcher Fahrer kann noch einen spontanen Auftrag annehmen, ohne seine erlaubte Lenkzeit zu überschreiten?
  • Mit digitalen Lösungen können sie effiziente Touren- & Routenplanung betreiben: Je effizienter die Routen der Fahrer sind, desto mehr Aufträge können durch einen Fahrer abgearbeitet werden. Eine Software berechnet automatisch die effizienteste Abfolge der anzufahrenden Haltepunkte einer Tour. Fahrtwege können mithilfe von digitaler Routenplanung optimiert und verkürzt werden.
  • Auch Prozessoptimierungen in Ihrem Transportunternehmen können den Fahrermangel kompensieren: Nach Aussagen der EU-Kommission werden auf Europas Straßen jährlich etwa 350 Milliarden Leerkilometer gezählt. Durch eine automatisierte Landungsoptimierung können beispielsweise Leerfahrten und Leerkilometer weitestgehend vermieden werden. Dadurch können personelle Ressourcen und die Lenkzeiten der Fahrer entsprechend eingeplant und geschont werden.
  • Ein intelligentes Zeitfenstermanagement kann die Arbeitsbedingungen der Berufskraftfahrer verbessern: Es können beispielsweise Wartezeiten bei Lade- und Entladeprozesse optimal geplant und eventuell sogar verkürzt werden. Ein reibungsloser Ablauf beim Kunden führt zu einem stressfreien Arbeitsalltag, bei dem die vorgeschriebenen Arbeitszeiten eingehalten werden können.

Heutzutage gibt es schon diverse digitale Lösungen auf dem Markt, die dabei helfen die Transport- und Logistikbranche zu wandeln. Mit dem Einsatz von Softwarelösungen ist es möglich mehr Aufträge mit demselben Zeitaufwand und demselben Einsatz von Fahrern abzuschließen.

 

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Laut einer Continental Studie aus dem Jahr 2020 nutzen 7 von 10 Unternehmen mit einer Flottengröße bis zu 9 Fahrzeugen, keine Software für den Einsatz der Fahrer. Diejenigen die allerdings solch eine Software nutzen, gaben mehrheitlich an hinsichtlich Bedienerfreundlichkeit, Zuverlässigkeit aber auch der gesamten Software (sehr) zufrieden zu sein.  

Ein Großteil der KMUs gaben bei der Continental Studie selbst an, dass sie aufpassen müssen, um bei der Digitalisierung nicht den Anschluss zu verpassen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützt deshalb kleine und mittelständische Unternehmen durch das Förderzuschussprogramm „Digital Jetzt“. Dabei sollen nicht nur die Investitionen der KMUs in digitale Technologien und Geschäftsmodelle gefördert werden, sondern auch die Qualifizierung der Mitarbeiter erhöht werden.

 

Nice to know: Wer wird als Berufskraftfahrer gezählt?

Fahrer eines Transporters (oder ähnlichem) bis 3,5 Tonnen und auch Fahrer eines LKW bis zu 44 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, werden offiziell als Berufskraftfahrer bezeichnet. Hierzu zählen Fahrer in der Transportkategorien Nah- und Fernverkehr aber auch Kurier-, Express und Paketdienste.



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Nadine Schinko

Marketing Communications
E-Mail: nadine.schinko@rio.cloud

Autorin |  Sie klärt über verschiedene Probleme und Fragen in der Logistikbranche auf, ohne dass die Leser ein Fremdwörterbuch benötigen. Sie studiert Onlinemarketing und ist seit über einem Jahr Teil des RIO Marketing-Teams.